Kindersilhouette hinter einer diffusen Glaswand.
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Laut Bericht seien für den Bereich der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) 116 Missbrauchs-Betroffene ermittelt worden, die nicht alle mit Namen bekannt seien.
Synode der EKBO-Landeskirche
Mehr Aufarbeitung bei Missbrauchsfällen nötig
Die evangelische Kirche hat in einer großen Studie den Missbrauch Minderjähriger in den eigenen Reihen untersuchen lassen. Nun will sich das Kirchenparlament der EKBO-Landeskirche damit befassen. Weitere Aufarbeitung sei nötig, betont ein Bericht.

Die Synode der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) macht Missbrauch und sexualisierte Gewalt zum Thema ihrer Frühjahrsberatungen. Die dazu im Januar vorgestellte Forum-Studie der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zeige in mehrfacher Hinsicht, dass die Möglichkeit, mit Mitteln des Strafrechts Gerechtigkeit herzustellen, Grenzen habe, heißt es in einer Vorlage der Kirchenleitung für die Frühjahrstagung am 19. und 20. April. Deshalb müssten zusätzliche Wege dafür gesucht und weitere Schritte zur Aufarbeitung unternommen werden.

In der Vorlage der Kirchenleitung heißt es weiter, das Thema werde auch bei der Herbsttagung wieder aufgegriffen. Dort stünden unter anderem Fragen des Einsatzes von Ressourcen und Personal auf der Agenda. Die rund 3,6 Millionen Euro teure und mehr als 800 Seiten umfassende Forum-Studie hat sich bundesweit mit Fällen von Missbrauch und sexualisierter Gewalt gegen Minderjährige von 1946 bis 2020 befasst. Sie geht von insgesamt mehr als 2.225 Betroffenen und 1.259 Beschuldigten in den verschiedenen Landeskirchen aus.

Aus der EKBO wurden den Angaben zufolge 41 beschuldigte Männer benannt, darunter 39 Pfarrer. Insgesamt seien für den Bereich der Landeskirche 116 Betroffene ermittelt worden, die nicht alle mit Namen bekannt seien. Gegen 29 Beschuldigte seien insgesamt 34 kirchliche Disziplinarverfahren und gegen 22 Beschuldigte Strafverfahren eingeleitet worden. Gegen elf Täter seien Haftstrafen verhängt worden, darunter gegen neun von ihnen ohne Bewährung.

Im Bericht für die Synode zum Missbrauch heißt es unter anderem, Präventions- und Interventionsarbeit müssten ausgeweitet und die individuelle Aufarbeitung professionalisiert werden. Dafür sei eine "sofortige und erhebliche Verstärkung finanzieller Ressourcen" erforderlich. Zudem müsse geeignetes und spezialisiertes Personal gewonnen werden. Für 2024 und 2025 habe die Kirchenleitung kurzfristig insgesamt 500.000 Euro aus einem Projekt- und Innovationsfonds zur Verfügung gestellt.

Demokratie schützen

Das EKBO-Kirchenparlament tagt in diesem Frühjahr in Sachsen. Zu den Themen der Beratungen in Görlitz gehören auch Fragen des Schutzes der Demokratie und die Gemeindestrukturen. Die 108 Kirchenparlamentarier vertreten mehr als 800.000 evangelische Christinnen und Christen in mehr als 1.000 Gemeinden in Berlin, Brandenburg und Ostsachsen. Zum Eröffnungsgottesdienst in der Görlitzer Frauenkirche wird auch der Berliner Altbischof und frühere EKD-Ratsvorsitzende Wolfgang Huber erwartet, der dort predigen will. Das Kirchenparlament tagt im Anschluss im Kulturforum Görlitzer Synagoge.

 

Die Landeskirche wurde vor gut 20 Jahren am 1. Januar 2004 durch die Vereinigung der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg (EKiBB) und der Evangelischen Kirche der schlesischen Oberlausitz (EKsOL) gebildet. Mit dem Zusammenschluss wurde die erste Kirchenfusion in Ostdeutschland nach 1990 umgesetzt. Die ostsächsische Kirche hatte zum Zeitpunkt der Gründung der neuen Landeskirche rund 60.600, die berlin-brandenburgische evangelische Kirche gut 1,2 Millionen Mitglieder.