Eine Gruppe von Künstlern verkleidet als Nonnen positioniert sich zum fotografieren
epd-bild/Julia Hufnagel
Die "Musicalcompany" Nürnberg probt für ihren Showauftritt "Sister Act" in der Nürnberger Jakobskirche.
Jakobskirche in Nürnberg
Film "Sister Act" auf Evangelisch
Die Nürnberger Jakobskirche wird für vier Wochen zur Eventkirche mit Konzerten, Filmmusik und Mundart-Kabarett. Das Herzstück des Programms bildet an zwölf Abenden die "Musicalcompany" Nürnberg, ein Verein semiprofessioneller Künstler:innen, mit seiner eigenen Adaption des Filmklassikers "Sister Act". Ein Blick hinter die Kulissen mit Leiterin Claudia Dörr.

epd: "Sister Act" ist ein musikalischer Filmklassiker und wie geschaffen für die Bühne. Wie zeitlos ist die Geschichte, wie zeitgemäß erzählen Sie sie in Ihrer Adaption?

Claudia Dörr: Wenn man an den Film denkt, fallen einem zuerst folgende Dinge ein: Whoopi Goldberg springt überdreht als Deloris in der Kirche hin und her und bringt den schüchternen und unmusikalischen Nonnen das Singen bei. Maggie Smith als Mutter Oberin findet das nicht lustig und arbeitet gegen sie und die dusseligen Gangster versuchen, Deloris zu fangen. Der Film überzeugt durch Situationskomik, durch großartige Schauspielerinnen und durch Songs wie "I will follow him".

Die Bühnenfassung ist ein bisschen vielschichtiger. Zum einen wurden die Lieder des Films ersetzt durch andere Songs aus der Feder von Alan Menken und spiegeln sehr gut den Geist der späten 70er-Jahre wider. Zum anderen wird in der Bühnenfassung sehr viel Wert auf die Entwicklung der einzelnen Figuren gelegt. Es ist eine Geschichte über Emanzipation von Rollenbildern, aber auch von Musik, wie sie im sakralen Raum gespielt werden darf und von Klischees, wie sich eine Nonne, eine Nachtclubsängerin, ein Polizist zu benehmen haben. Es ist auch eine Geschichte über die Kraft der Freundschaft.

Wie hat sich die "Musicalcompany" auf die Shows in St. Jakob vorbereitet?

Dörr: Die Proben für "Sister Act" laufen bereits seit einem guten Jahr. Seit Januar arbeitet die Gruppe beinahe jedes Wochenende an Gesang, Schauspiel und Choreografie. Nebenbei müssen Kostüme geschneidert, Flyer designt, der Bühnenbau geplant, Lichtkonzept und Ablaufpläne erstellt und Karten verkauft werden. Als kleiner Verein müssen alle organisatorischen Dinge auch von den Vereinsmitgliedern erledigt werden. Die "Musicalcompany" ist kein Hobby, sondern eine Passion.

Wieso passt der Kirchenraum gut zum Musical?

Dörr: Der Kirchenraum von Sankt Jakob ist ideal für "Sister Act" geeignet, denn die Kernereignisse des Stückes finden im Kirchenraum des Klosters "Zur heiligen Jungfrau" statt, daher steht die Hauptbühne vor dem wunderbaren Hochaltar von St. Jakob. Der Seitenaltar mit Taufstein wird zum Büro der Mutter Oberin. Monsignore predigt stilecht von der Kanzel.

Kirchengemäuer als echte Kulisse 

Die Kirchengemäuer dienen also als echte Kulisse im Stück. Durch Licht und Nebel lässt sich die Bühne dann verwandeln in ein Polizeipräsidium oder einen Nachtclub. Das Publikum wird interaktiv ins Stück eingebunden, denn in den Gottesdienstszenen sind sie die Kirchengemeinde.

Den Verein gibt es inzwischen seit 25 Jahren. Wie sieht es mit Nachwuchs aus?

Dörr: Die "Musicalcompany" Nürnberg entstand als Projekt in meinem freiwilligen sozialen Jahr im Beratungszentrum der Wilhelm-Löhe-Schule. Niemand glaubte an meine Idee, ein Musical in der Schule aufzuführen, also habe ich es einfach gemacht. Über die Jahre haben wir viel dazugelernt, manche Höhen und Tiefen erlebt und sind als Gruppe immer wieder neu zusammengewachsen.

"Gerade junge Männer haben ab und an noch seltsame Vorurteile über das Musicalspielen."

"Sister Act" bildet einen neuen Höhepunkt in der bewegten Vereinsgeschichte. In den 25 Jahren sind viele Darsteller gekommen und gegangen. Manche blieben nur ein Jahr, andere sind bereits seit fünf, zehn oder gar 20 Jahren dabei. Bei den Damen gibt es immer viele Bewerberinnen, die gerne Teil der "Musicalcompany" werden wollen, bei den Männern ist es oft schwieriger. Gerade junge Männer haben ab und an noch seltsame Vorurteile über das Musicalspielen, oft spielen auch Hemmungen eine Rolle oder das Gefühl, man könne nicht singen. Singen ist leider nichts Selbstverständliches mehr. Dabei lernt man beim Musicalspielen extrem viel fürs Leben, außerdem ist Singen und Tanzen gesund für den Körper und die Psyche.

 

Sie betonen auf Ihrer Homepage die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Nürnberger Kirchengemeinde St. Jakob und der Schwaiger Thomaskirche. Wie sieht die aus?

Dörr: Die "Musicalcompany" hat bereits seit 20 Jahren eine Kooperation mit St. Jakob. Die Gruppe darf in den Gemeinderäumen proben und tritt dafür in Gottesdiensten auf und leistet musikalische Beiträge zu Festen und besonderen Gelegenheiten. Die Zusammenarbeit mit dem Kirchenvorstand und dem Pfarrpersonal in St. Jakob ist von großer Rücksichtnahme und gegenseitigem Vertrauen geprägt. So fanden bereits im Jahr 2005 und 2007 Musicalprojekte im Kirchenraum statt, für die Umbauten der Kirche nötig waren.

Wir sind der Kirche sehr dankbar, dass sie an unsere Vision einer "Eventkirche" geglaubt haben. Die Kirchengemeinde profitiert natürlich auch von dem großen Interesse, sie duldet aber auch so manche Umbauten, Verschiebung von Terminen und Gottesdienste auf einer Bühne. Wir sind sehr glücklich, einen solchen Partner an unserer Seite zu haben.