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TV-Tipp: "Die vermisste Frau" (ARD)
2.2., ARD, 20.15 Uhr: "Die vermisste Frau"
Mit diesen Vorschusslorbeeren weckt die ARD viel zu hohe Erwartungen: "Ein preisgekröntes Darstellertrio in Bestform und eine raffinierte Story zeichnen den packenden TV-Thriller 'Die vermisste Frau' aus."

An dem Satz stimmt nur der erste Teil: Die Kombination Corinna Harfouch, Ulrich Matthes und Jörg Hartmann müsste eigentlich selbst schwächere Geschichten erträglich machen. Über weite Strecken funktioniert das auch. Hartmann muss ein bisschen zu oft den Hanswurst geben, aber die Kombination Harfouch/Matthes ist in der Tat interessant. Die Handlung ist eigentlich auch nicht schlecht: Die lebensmüde Karen (Harfouch) will ihrem Dasein ein Ende setzen. Der Abschiedsbrief ist schon geschrieben, aber dann verlässt sie der Mut. Auf der nächtlichen Straße wird sie von einem düsteren Unbekannten (Matthes) aufgelesen, der sie in ein Hotel bringt. Der Mann entpuppt sich als wortkarger Auftragsmörder, den ihr Gatte Georg (Hartmann) engagiert hat. Kurz zuvor hat das Paar eine gegenseitige Lebensversicherung in Höhe von einer Million Euro abgeschlossen. Georg braucht das Geld dringend, denn er hat Schulden bei einem äußerst vierschrötigen Duo (David Bredin, David Schiller), bei dem man lieber keine Schulden haben möchte. Der Fremde dreht den Spieß jedoch rum, bringt Karen das Schießen bei und wartet dann ab, wie sich die Dinge weiterentwickeln.

Das klingt nicht nur nach schwarzer Komödie, sondern vor allem nach einem für den Freitagsfilm im "Ersten" höchst ungewöhnlichen Stoff. Killerkrimis mit makabren Scherzen und Thrillerelementen lässt in der ARD sonst nur die Fernsehfilmredaktion des Hessischen Rundfunks drehen, und wenn sie Pech hat, werden die Produktionen mittwochs gegen die Champions-League-Spiele im ZDF angesetzt oder erst nach 22.15 Uhr gezeigt. "Die vermisste Frau" erinnert an die erste Zeit der neuen Degeto-Geschäftsführung, als sich das an filmisches Schmalzgebäck gewöhnte Stammpublikum erst mal an anspruchsvolle Komödien wie "Vier kriegen ein Kind" oder "Mein Sohn Helen" gewöhnen musste. All das spricht zwar für "Die vermisste Frau", aber der Film wäre auch ohne die von der ARD geweckten übertriebenen Erwartungen eine Enttäuschung.

Autor und Regisseur Horst Sczerba ist seit weit über zwanzig Jahren im Geschäft, hat in dieser Zeit aber bloß gut eine Handvoll Filme gedreht. Nach langer Pause sind zuletzt die nachdenkliche Tragikomödie "Die Hochzeit meiner Eltern" (2016) sowie der melancholische Weihnachtsfilm "Stille Nächte" (2014) entstanden, beide ebenfalls namhaft besetzt; zwei weitere Gründe, um die Vorfreude zu wecken. Der Auftakt der jüngsten Arbeit ist in der Tat reizvoll: Zu den Klängen des Drifters-Klassikers "Stand by me" zeigt Sczerba, wie Karen Abschied nimmt; dann sorgt ein Wolkenbruch dafür, dass sich die Stimmung verflüchtigt. Als kurz drauf die Fronten geklärt sind, kommt dem Film jedoch die Spannung abhanden. Die Konstellation erinnert nun an ein Laborexperiment, bei dem Psychologen ihre Probanden mit einer bestimmten Vorgeschichte versehen, sie aufeinander loslassen und aus sicherer Entfernung in aller Ruhe verfolgen, was passiert. Auch das kann ja durchaus interessant sein, aber in Sczerbas Geschichte passiert erst mal nichts mehr. Es gibt zwar ein paar Nebenhandlungen, weil sich Georg mit seiner Geliebten Mona (Lorna Ishema) amüsiert, Ärger mit den beiden Schurken bekommt und mit dem Versicherungsmakler über einen Vorschuss verhandelt, aber im Grunde besteht die Handlung größtenteils aus dem Warten darauf, dass sich der zu Beginn geöffnete Kreis am Ende wieder schließt und es zur entscheidenden Konfrontation zwischen Georg und Karen kommt. Dass dieses Finale noch längst nicht der Schluss der Geschichte ist, gehört zu den wenigen Überraschungen des Films. Viel zu selten verblüfft Sczerba mit Momenten wie jenen, als Karen auf einen Zeitungsbericht über ihr Verschwinden aufmerksam wird und das Fotos des Gatten plötzlich lebendig wird und ein Interview gibt. Davon abgesehen bleibt "Die vermisste Frau" vieles schuldig, was einen spannenden tragikomischen Krimi auszeichnen könnte, darunter Spannung, Humor und Tragik; wenn sich Mona an einer Kopie der berühmten "Taxi Driver"-Szene versucht ("Du laberst mich an?"), wird es sogar peinlich. Aber die Bildgestaltung (Hagen Bogdanski) ist sehenswert.