TV-Tipp: "Der Bankraub" (ZDF)
9.5., ZDF, 20.15 Uhr: "Der Bankraub"
Der Titel täuscht: In diesem Film wird keine Bank überfallen. "Der Bankraub" bezieht sich vielmehr auf den Diebstahl, den die Banken selbst begangen haben, bevor ihre faulen Geschäfte im Sommer 2007 mit einem großen Knall geplatzt sind. Die Folge war eine der größten Finanzkrisen der jüngeren Geschichte, in deren Verlauf auch deutsche Geldinstitute dem Bankrott nur mit staatlicher Hilfe entgingen. Die Dummen waren die vielen Kleinanleger, deren Zertifikate über Nacht wertlos wurden.

Hollywoodfilme wie "Der große Crash – Margin Call" (2011) oder "The Big Short" (2015) haben diese Ereignisse von oben erzählt. Diese Perspektive nimmt das Drehbuch von Martin Rauhaus zwar ebenfalls ein, aber wie Dieter Wedel in seinem ganz ähnlich konzipierten Zweiteiler "Gier" zeigt der Autor auch jene, die die Geschichte ausbaden mussten. Eigentlich ganz einfach, dramaturgisch jedoch enorm effektiv ist dabei die Idee, die beiden Seiten von Vater und Sohn repräsentieren zu lassen: Martin Kreye (Franz Dinda) bekommt 2005 die einmalige Chance, die New Yorker Filiale der Neuen Westdeutschen Bank (NWB) aufzubauen. Sein Chef (Justus von Dohnányi) hält große Stücke auf den jungen Mann, und der enttäuscht ihn nicht: Dank riskanter, aber erfolgreicher Investitionen in Kreditausfallversicherungen eilt Martin von Erfolg zu Erfolg; schon bald wird die neue Welt, die er erobert, viel zu groß für seine Verlobte Nina (Bernadette Heerwagen). Aber auch die Beziehung zu seinen braven Eltern bekommt tiefe Risse. Werner Kreye (Joachim Król), Betriebsrat und alter Sozi, hält den Sohn für einen Kapitalistenknecht. Er ist seit vielen Jahren treuer Kunde der NWB. Natürlich kann er nicht ahnen, dass die Lehman-Brothers-Zertifikate, die Martin für seine Bank gekauft hat und die Werner nun auf Anraten seines Bankberaters (Godehard Giese) erwirbt, einer Wette entsprechen, die er nur verlieren kann. Als der amerikanische Immobilien-Boom mit einem Knall endet, stehen die Kreyes mit leeren Händen da. Dabei brauchen sie das Geld dringend, denn Martins Mutter (Ulrike Kriener) muss am Herzen operiert werden; prompt ist die Aufregung zuviel für sie.

Rauhaus beginnt die Handlung mit Werners Rache an Martins Chef, dann blendet der Film (Regie: Urs Egger) zurück in eine Zeit, als die Welt noch in Ordnung war. Die Kreyes feiern Werners Geburtstag, Martin hält eine launige Rede. Die schön gespielten warmherzigen Szenen mit Vater und Sohn markieren die Fallhöhe der Geschichte. Die Botschaft ist schlicht, aber sie kommt gerade dank der vorzüglichen schauspielerischen Leistungen an: Martin tauscht ein Leben mit echten Menschen und wahren Gefühlen gegen ein Dasein, in dem der Schein mehr zählt als das Sein. Auch wenn die Musik (Ina Siefert, Nellis Du Biel) immer wieder daran erinnert, dass "Der Bankraub" im Grunde ein Thriller ist: Diese Konstellation bietet den emotionalen Anknüpfungspunkt, den so ein Stoff braucht. Die nicht zuletzt dank der vielen Fachbegriffe ziemlich anspruchsvolle finanzielle Seite ist allerdings nicht minder spannend, zumal es Rauhaus gelingt, die komplizierte Materie zu erläutern, ohne dass die entsprechenden Szenen zu Erklärstücken werden; dank der charismatischen Leistung von Justus von Dohnányi als Martins Mephistopheles hat die dunkle Seite auch einen angemessenen Repräsentanten. Die Plattitüden, mit denen der Banker seine Vorstandskollegen von Martins waghalsigen Geschäften überzeugt, finden ihren Widerhall in der Verkaufsargumentation von Werners Anlageberater. Weitere wichtige Positionen in der Führungsetage sind mit Herbert Knaup und Hanns Zischler nicht minder prominent besetzt.

Natürlich bedient Rauhaus auch diverse Klischees; die Prophezeiung Ninas, Martin werde in New York dem Charme einer "Wall-Street-Tussi" erliegen, erfüllt sich in Person der rassigen Wall-Street-Wölfin Hillary, die ihn dazu anstiftet, sich in großem Stil auf das Geschäft mit den Kreditversicherungen einzulassen. Später folgt zur Belohnung auch die körperliche Verführung; die Holländerin Anna Drijver ist der Rolle in jeder Hinsicht angemessen. Als die amerikanische Immobilienblase platzt, können die mittellosen Hausbesitzer ihre Kredite nicht mehr bedienen. Dies ist der Beginn einer Kettenreaktion, die 2008 damit endet, dass am anderen Ende der Welt ein kleiner und deshalb nicht systemrelevanter Anleger einen zynischen großen Banker über den Haufen fährt; und ein abgestürzter Höhenflieger muss sich entscheiden, auf welcher Seite er stehen will. Eine gleichnamige Dokumentation rekonstruiert anschließend die Hintergründe des Börsenabsturzes von 2008.